Afrikanisches Tagebuch
Zirkustournee und Jugendbegegnung des Zirkus Barbarella in Ghana
Ziemlich verändert kamen sie wieder, zumindest was die Gestaltung der Köpfe anging. Lange geflochtene Haare trugen die meissten der Mädchen und Jungen, als sie in Amsterdam aus dem Flieger von Ghana stiegen. 15 Tage waren sie unterwegs auf einer nicht ganz alltäglichen Zirkustournee. Als Jugendbegegnung mit afrikanischen Jugendlichen geplant, waren sie zudem auch Botschafter des Landkreises Diepholz, die ersten wie Landrat Stötzel bei der Verabschiedung betonte. Eingebunden in die Partnerschaftsarbeit des Bistums Osnabrück, war es nicht schwer, Kontakte zu finden und Jugendliche zu treffen.
Doch bevor die beiden Busse mit den 17 Reisenden im Norden Ghanas in der Stadt Damongo eintrafen, ging es Schritt für Schritt durch das ganze Land. Dabei zeigte sich Ghana in den ersten Tagen von seiner lauten, bunten und krassen Seite. „Krass“ waren die Widersprüche besonders in der westlich anmutenden Hauptstadt Accra und der Küstenregion. Besonders der Gegensatz zwischen dem Badestrand unter Palmen und den doch ärmlichen Lebensverhältnissen in den Dörfern war augenfällig.
Doch Ghana ist ein Land das sich entwickelt, ein Land mit vielen Handwerkern und Händlern: ein Bild als wenn jeden Tag Markt sei. Frauen beherrschen das Marktleben, was man besonders auf dem großen Markt in Kumasi, der alten Hauptstadt des Ashanti-Reiches im Inneren des Landes sehen kann. Auch viele Kinder mussten mit dem Verkauf von Früchten oder Wasser den Lebensunterhalt für sich und die Familie verdienen. Kinder gehen gern zur Schule, wenngleich das aufgrund der Schulgebühren nicht für alle möglich ist. Die Analphabetenrate ist besonders im Norden bei den Mädchen sehr hoch, hier ist ein Gymnasium für Mädchen geplant, so erfuhren die Reisenden bei einem Empfang beim Bischof Naameh in Damongo. Im Süden und in der Mitte des Landes gehört es schon für viele zum Standart, eine höhere Schule zu besuchen und an ghanaischen oder auswärtigen Hochschulen zu studieren. Diese neue Generation von jungen Leuten war in den städtischen Internetcafes zu finden, ein Ort an dem auch die Jugendlichen vom Zirkus Barbarella die gewohnten Internetkontakte pflegten.
Der Weg durch das Land zeigte, die Unterschiedlichkeit: fruchtbare Regionen mit Früchten aller Art, eine reichhaltige Küche, aber auch Trockenheit im Norden, Angst vor Dürre und Hunger. Jetzt zu Ende der Regenzeit war natürlich alles grün und tropische Blumen boten mehr als all unsere botanischen Gärten. Doch die weltweite Klimaveränderung die bei uns übermäßigen Regen bewirkt, erzeugt im Sahel eher Trockenheit. Aber auch in der Mitte des Landes ist durch die Regenwaldabholzung das ökologische Gleichgewicht durcheinander geraten. In einem der letzten Regenwaldgebiete konnten die Reisenden sich in bis zu 40 Metern Höhe durch die Wipfel der Urwaldriesen hangeln. Die schwankenden Hängebrücken waren für die besonders Mutigen gedacht. Eine begleitende Ausstellung zeigte, wie wichtig der Regenwald nicht nur für den Wasserhaushalt ist, sondern auch als Reservoire für viele bedrohte Pflanzen- und Tierarten. So sind Elephanten in Westafrika schon so rar wie in Deutschland, doch ein erfahrener Guide zeigte den Jugendlichen gleich zwei der seltenen Tiere. Viel mehr in Erstaunen versetzte die Reisenden die anderen Tiere: Geckos, übergroße Käfer, Termiten und Ameisen und auch Ziegen, Schafe und Kühe, die die Straße bevölkerten. Sie liefen frei herum, aber wussten dennoch genau, zu welcher Herde sie gehörten.
Dass das Autofahren mit den Tieren auf der Straße zu einer besonderen Art von Lotterie wurde, liegt an der Erfahrung der afrikanischen Fahrer: Schafe laufen über die Straße, Ziegen beleiben am Straßenrand stehen, so die Erfahrung. Und sie hatten recht: es kam zu keinem Unfall.
Nach einigen Tagen hatte sich die Fremdheit schon ein wenig abgebaut, und die Teilnehmer empfanden es eher als auffällig ein weißes Gesicht zu sehen. Für die Afrikaner blieben wir natürlich auffällig weiß oder bunt mit den Barbarella-T-Shirts.
Doch außer in den Touristenhochburgen waren die Menschen sehr (gast)-freundlich und offen.
Besonders beim Umgang mit den Jugendlichen zeigte sich, dass die afrikanischen Schülerinnen eher die Hemmschwellen überwanden als die deutschen. Gut war es, ein Medium zu haben, das beide interessierte. Wie erhofft, zeigte sich, dass die Zirkustechniken wie Jonglage, Akrobatik, etc. sehr gut zur Bewegungsfreude der afrikanischen Jugendlichen passen. Uns schon nach zwei Tagen stand ein kleines Programm, das mit afrikanscher Trommelmusik und Tanz begleitet wurde.
Neben den Kontakten zu einem Mädcheninternat, waren Jugendlichen aus neun Gemeinden des Bistums Damongo angereist, die bei den Workshops teilnahmen. Und dass dreimal soviele kamen wie geplant, zeigt, dass afrikanische Kinder und Jugendliche teilen. Warum nicht auch beim Zirkus? Das Youth-Council in Damongo hatte als Partner des Zirkus Barbarella das Programm mitorganisiert. Die Materialien wie Einräder etc. bleiben als Geschenk im Jugendbüro, um mit dem Material und den Ideen Impulse für die Jugendarbeit zu geben. Eine Freiwillige aus Deutschland, die in dieser Woche zu einem einjährigen Dienst in Damongo aufgebrochen ist, wird die Arbeit weiterentwickeln.
Als Gegeneinladung ist geplant, einige Gäste aus Ghana zum ersten ökumenischen Kirchentag nach Berlin in 2003 einzuladen.
„Was hat denn solch eine Reise gebracht?“, mag sich der Leser fragen. Natürlich ging es nicht um den Export von Zirkus, zumal Zirkus auch eine afrikanische
Tradition hat. Vielmehr geht um Jugendbegegnung und Erweiterung des Horizonts, besonders für die deutschen Teilnehmenden. Vielleicht mehr als ein halbes Jahr Schule kann solch eine Reise vermitteln, besonders, wenn es darum geht, ein erweitertes Verständnis von Welt zu bewirken, wie in den Büchern nicht einzufangen ist, so die langjährige Lehrerin und Zirkuspädagogin Regina Bömer. Die Unterschiedlichkeit der Welt kennenzulernen aber auch, „dass alles im Rahmen der Globalisierung zusammenhängt“, das wird in den Köpfen der Jugendlichen hängenbleiben, so der Organisator Reinhold Bömer, für den der interkulturelle Aspekt der Reise besonders wichtig war.
Damit haben sich hoffentlich nicht nur die Frisuren verändert, sondern auch ein oder andere Einschätzung.
Nicht „Entwicklungshilfe“ war das Interesse an der Ghana-Reise sondern eigene und fremde Kulturen kennzulernen und Kontakte zu knüpfen.
Bei einem konkreten Projekt ist der Zirkus allerdings aus Ghana angefragt, die Entwicklung partnerschaftlich zu unterstützen. Beim Aufbau von Internetangeboten sind Schulen und Gemeinden auf gebrauchte Computer, Modem etc. angewiesen. Da aber nicht eupropäischer Schrott in Afrika entsorgt werden soll, so die Zirkusleute, bitten sie Firmen und Einzelpersonen um gebrauchte, funktionsfähige Hardware, auch wenn sie nach deutschen Maßstäben etwas langsam ist.
Im Rahmen eines e-mail-Lernprojektes sollen ghanaische und andere afrikanische Schulen mit deutschen Schulen kommunizieren können.
„Ziel ist“, so Regina Bömer „die Globalisierung erfahrbar und etwas verständlicher zu machen und Nord und Süd als gleichwertige Partner teilnehmen zu lassen.“
PC’S FÜR GHANA
Unsere Reise nach Ghana ist jetzt ein halbes Jahr her und die Kontakte sind nicht abgerissen. Mit unseren Zirkusmaterialien arbeiten die Jugendlichen im Rahmen der Arbeit der „youth conference“ der Diözese Damongo (Nord-Ghana) weiter. Neben den der kulturellen Arbeit im Zirkusbereich soll es verstärkt Kontaktmöglichkeiten über das Internet geben. Insgesamt wollen wir mit der Diözese einige Computer- und Internetprojekte auf den Weg bringen. Die beiderseitige Vertrauen in die Kompetenz und Kontinuität der Arbeit sichert ab, dass die Projekte erfolgreich laufen werden. Sowohl die Infrastruktur für den Betrieb, die Räume und Anschlüsse als auch die Fachleute gibt es vor Ort. Was fehlt ist die Hardware. Und die ist im Lande zu teuer. Die vereinzelten Internetcafes werden nur von der Mittelklasse in den Städten genutzt, nicht auf dem Lande und vor allem nicht im Norden. Wir möchten derzeit zwei Projekte mit Computern ausstatten:
- Eine Computerschule als Dorfprojekt in der Nähe von Kumasi (verantwortet von einem Mitarbeiter der Diözese Kumasi)
- Eine Mädchenschule in Damongo. Sie wird derzeit erweitert auf die „Oberstufe“, die eine PC-Klasse einrichten will. Mit dem bestehenden Mittelschulprojekt haben wir ja u.a. unsere Zirkusarbeit gemacht. Die Mädchen leben in einem Internat, weil sie in ihren Herkunftsdörfern keine Chance auf Bildung haben, sondern als kostenlose Arbeitskräfte eingesetzt werden, bis sie früh verheiratet werden. Eine gute Ausbildung ist die beste Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung der jungen Frauen und der beste Weg, den Nordens Ghanas und seiner Nachbarländer zu fördern. Der arme Norden (Sub-Sahara) ist weniger im Blick unserer Weltsicht. Durch die Auswirkungen der Klimaveränderung ist er allerdings verstärkt von Dürre bedroht.
Die PC-Ausstattung ermöglicht durch das Internet weltweite Kontakte und weltweites Lernen. Wir wollen bewusst auch Kontakte zu Schulen in Deutschland herstellen, um diese moderne Form der Partnerschaftsarbeit zu fördern.
Zur Technik:
Wir können alles gebrauchen, was rund um den Computer nötig ist: Monitor, Modem, Drucker, Festplatte, Tastatur, Maus, Tower…
Die Computer-AG des Gymnasiums Diepholz bereitet das Material auf. Ein erfahrener Versender steht bereit, das Material ins Land zu bringen, die GTZ finanziert den Transport.
Wir holen das Material ab, egal ob es 1 oder 10 Teile sind. Es darf allerdings kein Schrottt sein, aber funktuionierende 486er sind durchaus noch verwendbar.