PRESSEMELDUNG anlässlich der Rückkehr des Zirkus Barbarella von der Reise nach Ghana 2008

„Das Dorf, in dem auch nachts die Sonne scheint“

oder

„is it realy true?“

„Auch wenn einige nach den Ferien etwas verspätetet in die Schule kamen, gelernt haben die jungen Reisenden des Zirkus Barbarella in den 14 tagen mehr als in vier Wochen Schule,“ so Reinhold Bömer, Mitorganisator des Jugendbegegnungsprojekt mit jungen Menschen im Norden Ghanas.

Das wurde bei den täglichen Reflexionsrunden „in und out“ deutlich: ob es über die Geschichte der Sklaverei ging, die man noch jetzt in den Sklavenburgen an der Küste nachvollziehen kann oder ob es der weitgehend abgeholzte Regenwald ist, dessen Reste die Straßen säumten. Überall aber wurde deutlich, dass Ghana trotz seiner Probleme ein Land ist, das stolz ist auch seine Geschichte und das im letzten Jahr mit diesem Bewusstsein seinem 50sten Geburtstag gefeiert hat. Vieles wurde geschmückt, gebaut, renoviert. Doch wie das in einer ungerechten Welt ist, eben nicht überall. Und so hat der arme Norden des Landes manches von Reichtum des Landes nicht abbekommen. Da in Ghana in 2008 eine Wahl ansteht, konnten die Reisenden aber auch lesen, dass Menschen ihr Schicksal in die Hand nehmen und z.B. ein Dorf ein großes Schild aufgestellt hatte „no light – no vote“ (kein Licht – keine Wahlbeteiligung). Ein anderes Dorf hatte in Eigenarbeit alle knapp 100 Häuser verkabelt, mit Energiesparlampen ausgerüstet und erzeugt jetzt die elektrische Energie mit der Sonne und an diesigen Tagen mit den Öl der selbst angebauten Jatropha-Nuss. „Ein Dorf, in dem auch nachts die Sonne scheint“, so nannte Reinhold Bömer es in einer Ansprache und die Dorfbewohner fanden die Bezeichnung sehr treffend; eine afrikanische Tanzeinlage folgte der Besichtigung und eine Begrüßung des Dorfältesten ebenfalls. „Es liesse noch vieles berichten“, so Regina Bömer, was diese Reise „des Fliegenden Klassenzimmers“ über die Geschichte, die Umwelt und die Entwicklung dieses Teils von Afrika erläutern könnte.

Für sie als Theologin war besonders spannend, wie intensiv die Menschen Religion leben, in allen Denominationen und friedlich miteinander. Besonders beeindruckt hat sie der katholische Silvestergottesdienst: „Und als er vor schon vor Mitternacht vorbei war, gab es bis 12 Uhr eine halbstündige Tanzeinlage, die eher einer brodelnden Disco glich als einem Gottesdienst norddeutscher Prägung; es war pure Lebensfreude.“

Das eigentliche Highlight, aber auch der spannenste Punkt, war der siebentägige Aufenthalt der 10 Reisenden am Zielort Damongo. Dort gab es Workshops mit afrikanischen Kindern, deren Geschicklichkeit enorm war, so die Einschätzung der jungen deutschen Workshopleiterinnen und Leiter. Gemeinsam mit dem Kids-Club, einem von ghanaischen und deutschen Freiwilligen organisierten Jungendzentrum gab es dann auch einen Straßenauftritt und Umzug durch das Dorf mit anschließender Aufführung: „Is it true?“ (Ist das wirklich wahr?), so die spontane Reaktion eines kindlichen Besuchers. „Zirkus kommt an“, so die Erfahrung schon in 2002 und jetzt wieder in 2008. Und gemeinsam wollen die Verantwortlichem vom Zirkus und vom Kids-Club an einem Konzept für die Multiplikatorenschulung für die Dörfer um Damongo stricken, so haben sie sich verabredet und sehen dies als Arbeit an der „youth empowerment“, an der Stärkung der Jugend. Das wird den „globalen Dialog“ der Partner stärken, den GLOBOLOG.

Wer Interesse hat, kann sich die Impressionen auf der Homepage des Zirkus (www.zirkus-barbarella.de) ansehen oder beim Katholikentag in Osnabrück im Mai vorbeischauen, dort wird die Arbeit dargestellt. Am Thema Kinder- und Jugend in Afrika interessierte Schulen u.a. könne auch ein oder anderen der Teilnehmenden im Rahmen des Projektes CAFE AFRICA zu sich einladen, wie das Gymnasium Twistringen es am 10.1. tat. Sophia-Marie Bömer konnte dort den Unterricht mit aktuellen Eindrücken gestalten und die 10 neuen Oware-Spiele ausprobieren, die sie aus Ghana mitgebracht hatte.

Ghana-Reisetagebuch

26.12.2007 bis 08.01.2008

Finja, 17 Jahre

„Ich bin von der Reise total begeistert. Meine vielen Zweifel haben sich so schnell gelegt. Ich hab auf der Reise so viel gelernt von der Kultur, dem Essen und den Leuten. Was ich hier erlebt habe, ist mehr als man je in einem Urlaub lernen könnte.“

2.Tag 27.12.2007

Heute sind wir mit dem Bus weiter zum „Kakum Forest“ gefahren, einem Nationalpark in dem wir über Hängebrücken durch ein Regenwaldstück laufen konnten. Total spannend – wenn man durch den Wald geht ist es tierisch laut vor Grillengezirpe und Vogelgezwitscher, abgesehen davon und von ein paar Schmetterlingen haben wir aber nichts von Tieren dort mitbekommen.

Danach sind wir weiter zur „Cape Coast“ gefahren und haben am Strand eines Luxus(?)hotels gebadet und dort auch gegessen. Das Baden hat super Spaß gemacht und das Essen war sehr lecker, ich würd sagen ein sehr erfolgreicher Tag J

„Kakum Forest“ und „Cape Coast“ sind eher Touristenstellen, sodass wir heute vom „echten Leben in Ghana“ nur durchs Busfenster etwas mitbekommen haben. Dies enthielt aber so einiges Neues, Alles ist viel voller, lauter und natürlich auch ärmer als in Deutschland. Das Leben spielt sich auf den Straßen ab und überall laufen Frauen und Kinder mit Körben auf dem Köpfen herum und verkaufen Bananen, Wasser etc.

Finja, 17 Jahre

Lina, 20 Jahre

„Für mich war es spannend nach 5 Jahren nach Ghana zurück zu kommen und die Entwicklung des Landes zu sehen.“

4.Tag, 29.12.2007

- Ghana mit allen Sinnen –

Nachdem wir in den letzten Tagen Schritt für Schritt diesem neuen Land näher gekommen sind, gab es heute Ghana live und in Farbe. Heute haben wir gemeinsam den Markt in Kumasi – den größten Markt Westafrikas – besucht.

Es gab:

- ghanaisches Stimmengewirr – zum Hören –

- eine Mischung aus Fisch, Seife und Autoabgasen – zum Riechen –

- Fufu und Jam – zum Schmecken –

- traditionelle Stoffe – zum Anfassen –

- und zahlreiche Marktstände – zum Sehen –

Helen, Dorcas und Anastasia haben uns durch den Markt gelotzt und uns geholfen die passenden Stoffe für unsere Kleidung zu finden. Viele von uns haben auch Kunsthaar für Rastas eingekauft.

Nach dem Abenteuer auf dem Markt sind wir gemeinsam zum „Cultural Center“ gefahren. Dort hab es viele ghanaische Souvenirs zu bestaunen. Nach einer Zeit des intensiven Handelns, hat Marc eine tolle Trommel für einen super Preis bekommen.

Am späten Nachmittag haben wir noch gemeinsam jongliert und Akrobatik gemacht.

Nach wir vor geht es uns alles gut.

Wir sind frei von Krankheiten, Heimweh und großen Autopannen.

Ein Wunder? – Nein, wunderbar! J

Sophia, 20 Jahre

Arnd, 18 Jahre

„Jeder Tag war voller neuer Eindrücke. Die Reise war West-Afrika live – viel mehr als man aus Büchern oder Fernsehen lernen kann.“

6.Tag 31.12.2007

- Ankunft in Damongo –

Der Tag begann zum Glück mit einer Extra-Stunde Schlaf, denn die lange Fahrt vom Vortag sitzt allen noch ein wenig in den Knochen. Gestärkt durch das all morgendliche Leberwurst-Nutella-Ei-Frühstück beginnen wir mit unserem eigentlichen Programm. Bei einem ersten Treffen mit Father Aurelio und den Freiwilligen merken wir wie wenig sie sich eigentlich unter dem vorstellen können, was in den nächsten fünf Tagen auf sie zukommen soll.

Am Nachmittag warten alle auf die Kinder, die mit etwas Verspätung aber dafür singend im Bus angefahren kommen. Auch sie wissen nicht wirklich warum sie gekommen sind, lassen sich aber innerhalb weniger Sekunden von den Spielen begeistern. Vor allem die Spiele mit musikalischen Elementen haben es ihnen angetan, denn in Sachen Rhythmus macht ihnen so schnell keiner was vor. Nicht nu die Kinder machen mit sondern auch Father Aurelio. Auch die deutschen Freiwilligen finden mehr und mehr Spaß an den Workshops und Spielen.

Nach drei Stunden steht für alle Kinder fest, dass sie wiederkommen selbst wenn am 1. Januar Feiertag ist.

Für abends haben wir uns die Nachmesse aufschwatzen lassen und sind noch nicht wirklich sicher ob das eine gute Idee war. Vor Beginn der Messe um 22 Uhr findet noch die Feuershow der Zirkus-Truppe statt. Keiner der Kirchgänger will diesen Event verpassen. Dutzende schauen zu als Feuer gespuckt und jongliert wird.

Die Messe beginnt mit der Begrüßung der Zirkus-Truppe und der Nennung des Kids Clubs.

„Kids-Kids-Club-Kids-Kids-Club-Club“

Statt der gewohnten Orgel ertönen Trommeln und ein Schlagzeug. Bereits bei der Kollekte wird getanzt und der Drummer hinter seinen zwei Becken weiß, dass heute sein großer Tag wird. Um 23.40 macht Father Daniel ein für uns Deutsche ungewöhnliches Geschenk: Tanzen bis Mitternacht! Allein die Ankündigung reicht aus, um die ganze Kirche zum Jubeln zu bringen. Was folgt wird wahrscheinlich für alle aus der Gruppe unvergesslich bleiben. Keinen hält es auf seinem Platz. Der Schlagzeuger spielt sich in Extase und der Chor stimmt alle möglichen Kirchen-Evergreens an. Alles ist auf dem Tanz-Bein. Alte, Weiße, Kinder, Jungen und wie selbstverständlich auch die Priester. Ein Blick über die Besucher zeigt wie eine verschwimmende Masse an feiernden Menschen, die sich in den Armen liegen, die Arme in die Luft strecken und sich gegenseitig mit einem breiten Grinsen antanzen, so als ob das nächste Jahr nur ein Erfolg werde kann.

Philipp, 28 Jahre

Anna, 22 Jahre

„Ich bin begeistert, wie schnell ich mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam jonglieren konnte.“

10. Tag 04.01.2008

Der letzte Tag in Damongo, ein Tag mit vielen Höhepunkten!!

Schon morgens nach dem Frühstück wurde eifrig für die Nachmittagsvorstellung noch einmal alles geprobt. Es klappt alles besonders gut und all waren hoch zufrieden mit der gemeinsam erarbeiteten Darbietung. Auch für mich war es ein ganz neues/altes Gefühl wieder einmal richtig mitten im Geschehen dabei zu sein.

Dann Punkt 11 Uhr ging die Fahr los zum Krankenhaus in Damongo. Was wird mich dort erwarten? Wir trafen dort die beiden deutschen Freiwilligen Sophia und Tabita an ihrem „zweiten“ Arbeitsplatz. Sie er ihre Aufgaben, wir besuchten die Krankenstation und wir wurden sogar in den OP geführt. Alles wichtige war vorhanden. Aber operiert werden möchte ich dort trotzdem nicht.

Schnell Mittagessen, dann ging es wieder los zum nächsten Höhepunkt des Tages und der Workshopwoche. Früh waren wir da, aber es waren leider erst eine handvoll Kinder auf dem Kidsclubspielplatz. Es wurde 3 Uhr, viele Kinder waren nicht zu sehen. Ich war doch etwas enttäuscht. Alles war so gut vorbereitet ….

Philipp hatte dann eine wahnsinnig gute Idee. Alle Kinder stiegen in den Bus und auch die Zirkustruppe. Sie fuhren los und sammelten in der Stadt weitere Kinder für die Vorstellung. Begeistert liefen die Kinder hinter dem Bus her und kam so zur Aufführung (ca 100).

Die Workshopkinder führten ihre Nummern vor, die von ihren Freunden begeistert bewundert wurden. Auch die eigene Show kam gut an. Abends beim Essen und später in der Bar gab es nur positive Kommentare über diesen abwechslungsreichen Tag.

Kofferpacken, schlafen und der Abreisetag in den Süden nach Kumasi kann kommen.

Regina, 54 Jahre

Sophia, 20 Jahre

„Ich bin total begeistert, dass unsere Idee vom „Zirkus als soziales miteinander“ auch interkulturell funktioniert. Zirkuspädagogik wirkt über alle Grenzen hinaus.“

13. Tag, 07.01.2008

Accra – Abreisetag

Letzter Tag: Sonne, Strand und Palme und der Anruf in Deutschland besagt: Regen und Kälte. Sollten wir nicht bleiben? Aber KLM hat gerade bestätigt, dass unser Flug noch heute geht.

Die Gegensätze sind wieder krasser als im Norden: Hochhäuser, richtige Burgen mit Glas von Banken und Versicherungen … und wir sind wieder in der richtigen Touristenrolle am Strand: Reiten auf einem weißen Pferd, Malerei auf den Fingernägeln und rauschendes Meer…nahe am Klischee…

Langsamer Ausklang! Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, dass wir in Ghana sind und da wollen wir nach den 2 anstrengenden Fahrtagen etwas Urlaubsfeeling in Erinnerung behalten.

Beim Planen der nächsten Reise stellte sich heraus, dass vielen wieder so sein könnte wie dieses Mal. Insgesamt eine ausgewogene Veranstaltung zwischen Powern beim Workshops und Aufführungen und Relaxen und vielen Diskussionen über das Land.

Reinhold, 54 Jahre

Finja, 17 Jahre

„ Unsere Gruppe ist ein sehr gutes Team.“

Reinhold, 54 Jahre

„Das war eine Reise voller positiver Erfahrungen.“

Hier gehts zu unserem ghanaischen Partner zum Kids Club Damongo:

http://www.kids-club-damongo.de